Er hatte den Mantel vor vier Wintern zurückgelassen, in der Nacht, in der er auszog, und sie hatte nie ernsthaft daran gedacht, ihn zurückzugeben — nicht in dem Winter, in dem sie ihn dafür hasste, nicht in den beiden danach, in denen sie ihm nach und nach verzieh, nicht in diesem, den sie eigentlich damit verbringen wollte, gar nicht an ihn zu denken.
Er hing im Flurschrank hinter drei Regenschirmen, Wolle in der Farbe von nassem Stein, so schwer, dass ihn anzuziehen sich immer angefühlt hatte wie eine Auseinandersetzung, die zu verlieren sie sich bereit erklärt hatte.
„Ich fliege Dienstag“, sagte er, noch im Flur, nicht drinnen. „Diesmal endgültig.“ Den Rest sagte er nicht. Musste er nicht. Vier Jahre, in denen sie den Rest nicht aussprachen, hatten sie darin fließend gemacht.
Sie stand einen Moment zu lange in der Tür und begriff, dass er wegen des Mantels gekommen war, so wie ein Mann wegen einer Sache kommt, die er sich selbst als belanglos einredet.
„Er ist im Schrank“, sagte sie, ohne sich zu rühren. Hinter ihr hielt die Wohnung den Atem an, so wie sie es tat in den Nächten, in denen sie den Mantel statt eines Morgenmantels ins Bett trug, die Ärmel über die Knöchel gezogen, den Kragen hochgeschlagen gegen eine Kälte, die nicht im Zimmer war.
Er trat über die Schwelle, um ihn zu holen, nah genug, dass sie die Version von ihm erkannte, die vier Jahre nicht berührt hatten — dieselbe Seife, dieselbe stille Geduld, dieselbe Angewohnheit, ihren Mund eine halbe Sekunde vor ihren Augen anzusehen.
Die Schranktür klemmte wie eh und je. Er wusste, dass man sie am Scharnier anheben musste. Sie hatte vergessen, dass er das noch wusste.
Die Wolle war warm, als er ihn herunternahm — nicht vom Schrank, der kalt war, sondern von ihr, von der letzten Nacht, in der sie ihn getragen und den Hund zweimal statt einmal um den Block geführt hatte, noch nicht bereit, wieder hineinzugehen und aufzuhören, jemand zu sein, die ihn noch besaß.
Er hielt ihn, ohne ihn anzuziehen, lange genug, dass die Frage, ob er es täte, zu einem eigenen, kleinen, unerträglichen Wetter im Flur wurde.
Dann hängte er ihn zurück, genau dorthin, wo er gehangen hatte, und schloss den Schrank, bis er wieder klemmte. „Behalt ihn“, sagte er. „Er stand dir immer besser als mir.“
Sie sah ihm nicht nach, wie er ging. Sie ging direkt zum Schrank, stand dort lange mit der flachen Hand auf der Wolle, noch warm, und begriff, was vier Jahre, einen Mantel zu behalten, eigentlich bedeutet hatten — und wusste es bereits.