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Der Text für heute NachtNach Einbruch der Nacht1 Min.

Wetterleuchten

Der Strom war um elf ausgefallen, und um Mitternacht hielt die Wohnung die Hitze fest wie etwas, das sie nicht loslassen wollte.

Sie fand ihn schon auf der Feuertreppe, das Hemd am Kragen offen, ein Glas Eiswasser, das einen nassen Ring auf das eiserne Gitter zwischen seinen Füßen zeichnete.

Für zwei Menschen, die sich nicht berührten, war dort draußen kein Platz. Das war der ganze Sinn einer Feuertreppe — anderthalb Meter Eisen, gebaut für die Eile eines Einzelnen, nicht für die Geduld zweier Menschen.

Sie setzte sich trotzdem. Ihr Knie fand seins, bevor sie sich entschieden hatte, es zuzulassen.

Hinter den Wassertanks flackerte der Himmel auf — ein langer, lautloser Lichtstoß hinter den Wolken, verschwunden, bevor er sich ganz als Licht zeigte. Kein Donner folgte. Das tat er nie, in solchen Nächten. Wetterleuchten machte sich nie die Mühe, seinen eigenen Satz zu beenden.

„Da ist noch eins“, sagte er, ohne sie anzusehen, den Blick auf den Himmel gerichtet, so wie man alles ansieht, wenn man sich selbst nicht traut, das anzusehen, was einem eigentlich gegenübersitzt.

Sie reichte ihm das Glas, ohne dass er fragte. Ihre Finger wichen sich dabei nicht ganz aus.

Die Stadt unter ihnen lag in jener besonderen Dunkelheit eines Stromausfalls — nicht aus, genaugenommen, nur unbeleuchtet, ein gehaltener Ton. Zwei Straßen weiter hustete ein Generator sich ans Leben, und jemand jubelte dafür. Keiner von beiden rührte sich, um nachzusehen, wessen Generator es war.

Ein weiterer Blitz erhellte die Unterseite der Wolken, und für diese halbe Sekunde sah sie alles an seinem Gesicht, was er sonst drei Grad von ihr weggedreht hielt — seinen Mund, seinen Kiefer, die Stelle, an der seine Aufmerksamkeit tatsächlich landete, wenn er dachte, niemand würde es bemerken.

Dann war es wieder dunkel, gewöhnlich dunkel, und seine Hand lag näher an ihrer auf dem eisernen Gitter als beim letzten Blitz.

Keiner von beiden sagte, wessen Idee die Feuertreppe gewesen war. Es spielte keine Rolle mehr. Es gab an diesem Abend keinen Ort, an dem einer von ihnen lieber gewesen wäre.

Der nächste Blitz kam, weiß und wortlos, und diesmal sah keiner von ihnen zum Himmel.

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Die Publikation

LiteraturfürErwachsene,geschriebenalswürdeeszählen.

SparkBang veröffentlicht jeden Abend einen neuen Kurztext. Kein Video, kein Streaming. Nur Prosa — kurz, aufgeladen, die Art, die man im Buch unterstreichen würde, wenn man es in der Hand hielte.

  1. Ein Text, jede Nacht

    Jede Nacht um Mitternacht Pacific erscheint ein neuer Text. Der von heute steht oben auf der Seite. Der von gestern im Katalog. Der von vorgestern, dem Tag davor, bis zum Anfang — alles noch da, genau so, wie es geschrieben wurde.

    Jede Nacht
  2. Anzüglich, nicht explizit

    Wir schreiben die Sekunde davor und die Sekunde danach. Den Teil dazwischen vertrauen wir dir an. Die Texte sind bewusst kurz, bewusst anzüglich — und so lange redigiert, bis jeder Satz seinen Platz verdient hat.

    Mit Handwerk
  3. Zum Teilen, nicht zum Aneignen

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    Offenes Regal

Die Lesehaltung

Wie man das liest.

Eine kurze Publikation ist ein kurzes Ritual. Das sind die sieben Anweisungen, die unsere Redakteure über dem Schreibtisch an die Wand geklebt haben. Leih sie dir.

  1. Such dir ein Fenster.

    Öffne es, wenn du kannst. Die Art Luft, die durch ein offenes Fenster kommt, ist die Art Luft, für die das hier gemacht ist.

  2. Mach das Deckenlicht aus.

    Eine Stehlampe ist gut. Eine Kerze auch. Dein Bildschirm auch, auf niedrigster Helligkeit.

  3. Leg das Telefon mit dem Display nach unten.

    Keine Benachrichtigungen, kein Scrollen, kein Lebenszeichen für die nächste Minute.

  4. Noch nichts trinken.

    Das Glas wartet auf danach. Erst lesen.

  5. Lies es laut, wenn du allein bist.

    Flüstere, wenn du es nicht bist. Bewege die Lippen in jedem Fall: Diese Texte wurden geschrieben, um gehört zu werden.

  6. Nicht überfliegen.

    Jeder Text ist bewusst kurz. Das Tempo ist das Entscheidende. Die Sätze dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.

  7. Bleib danach noch eine Minute.

    Nicht neu laden, nicht teilen, niemandem davon erzählen. Lass den letzten Satz landen, bevor du dich bewegst.

— Die Redaktion