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Der Text für heute NachtAlte Flammen1 Min.

Sturmfenster

Die Terrassenstühle waren schon gestapelt, als sie in die Einfahrt bog — er war ihr also zuvorgekommen, was bedeutete, dass das ganze Wochenende zu einer Verhandlung darüber werden würde, wer zuerst gehen durfte.

Sie hatten die Abschlussliste im September per SMS aufgeteilt, in der knappen Kurzschrift zweier Menschen, die einander noch blind verstanden: Sie würde die Wasserleitung übernehmen, er die Veranda. Keiner von beiden hatte das Schlafzimmerfenster erwähnt.

Um vier hatten sie die Leitungen leerlaufen lassen, die Weidenmöbel unters Vordach geschleppt, den Grill in seine Plane gewickelt wie etwas, das für einen langen Schlaf hingelegt wird. Es war der Nachmittag zweier vorsichtiger Menschen, wie er jedem hätte gehören können.

Die letzte Aufgabe war das Sturmfenster zum See — jenes, das sich jeden Oktober ein wenig mehr verzogen hatte, seit elf Jahren, und das noch nie beim ersten Versuch eingerastet war, nicht einmal damals, als sie es noch versuchten, in jedem Sinne des Wortes.

Es brauchte zwei Hände zum Schließen: seine, die den Rahmen vom Vordach aus einhakte, ihre, die den Flügel von drinnen herunterdrückte, beide Bewegungen abgestimmt auf einen Takt, den sie schon lange nicht mehr laut gezählt hatten.

„Bei drei", sagte sie durch die Scheibe, in dem Ton, den sie früher für andere Dinge benutzt hatte.

Die Scheibe war kalt, wo ihre Handfläche sie berührte, und nirgendwo in seiner Nähe warm — ein Fingerbreit Glas zwischen zwei Händen, die einander früher ohne jede Anweisung gefunden hatten. Sie beobachtete, wie sich sein Unterarm anspannte. Er beobachtete, wie ihr Mund den Takt formte.

Der Riegel rastete beim zweiten Versuch ein, wie eigentlich immer, und für einen Moment ließ keiner von beiden los — ihre Handfläche flach gegen das Glas, seine Finger direkt darunter gekrümmt, das letzte Warme in einem Haus, das gleich für den Winter erkalten würde.

„Nächstes Jahr wieder um diese Zeit?", fragte er.

Sie antwortete nicht. Sie zog ihre Hand auch noch nicht weg.

Der Katalog

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Die Publikation

LiteraturfürErwachsene,geschriebenalswürdeeszählen.

SparkBang veröffentlicht jeden Abend einen neuen Kurztext. Kein Video, kein Streaming. Nur Prosa — kurz, aufgeladen, die Art, die man im Buch unterstreichen würde, wenn man es in der Hand hielte.

  1. Ein Text, jede Nacht

    Jede Nacht um Mitternacht Pacific erscheint ein neuer Text. Der von heute steht oben auf der Seite. Der von gestern im Katalog. Der von vorgestern, dem Tag davor, bis zum Anfang — alles noch da, genau so, wie es geschrieben wurde.

    Jede Nacht
  2. Anzüglich, nicht explizit

    Wir schreiben die Sekunde davor und die Sekunde danach. Den Teil dazwischen vertrauen wir dir an. Die Texte sind bewusst kurz, bewusst anzüglich — und so lange redigiert, bis jeder Satz seinen Platz verdient hat.

    Mit Handwerk
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    Offenes Regal

Die Lesehaltung

Wie man das liest.

Eine kurze Publikation ist ein kurzes Ritual. Das sind die sieben Anweisungen, die unsere Redakteure über dem Schreibtisch an die Wand geklebt haben. Leih sie dir.

  1. Such dir ein Fenster.

    Öffne es, wenn du kannst. Die Art Luft, die durch ein offenes Fenster kommt, ist die Art Luft, für die das hier gemacht ist.

  2. Mach das Deckenlicht aus.

    Eine Stehlampe ist gut. Eine Kerze auch. Dein Bildschirm auch, auf niedrigster Helligkeit.

  3. Leg das Telefon mit dem Display nach unten.

    Keine Benachrichtigungen, kein Scrollen, kein Lebenszeichen für die nächste Minute.

  4. Noch nichts trinken.

    Das Glas wartet auf danach. Erst lesen.

  5. Lies es laut, wenn du allein bist.

    Flüstere, wenn du es nicht bist. Bewege die Lippen in jedem Fall: Diese Texte wurden geschrieben, um gehört zu werden.

  6. Nicht überfliegen.

    Jeder Text ist bewusst kurz. Das Tempo ist das Entscheidende. Die Sätze dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.

  7. Bleib danach noch eine Minute.

    Nicht neu laden, nicht teilen, niemandem davon erzählen. Lass den letzten Satz landen, bevor du dich bewegst.

— Die Redaktion