Sie hielt ihre Schuhe schon in der Hand, bevor ihr bewusst wurde, dass sie gar nicht gehen wollte.
Sie stellte sie auf den Teppich — leise, weil er noch halb im Schlaf war — und stand da im fahlen Morgenlicht, beobachtete das langsame Heben und Senken seiner Schulter.
Das Zimmer roch nach ihm. Das war ihr gestern Nacht nicht aufgefallen.
Sie fand sein Hemd auf dem Stuhl und zog es sich über den Kopf, ohne bewusst zu entscheiden. Es war weich wie Dinge werden, die hundertfach gewaschen sind, der Kragen ausgeleiert, der Saum bis knapp zu ihren Oberschenkeln. Sie ging zum Fenster und blickte hinaus auf die Gasse, die Feuerleiter, eine Taube auf dem Geländer, die dastand als hätte sie einen Punkt zu machen.
Sie hörte ihn sich bewegen.
"Du gehst."
Es war keine Frage. Oder doch, aber er versuchte, sie nicht zu einer zu machen.
Sie drehte sich um. Er beobachtete sie vom Bett aus, ein Arm über seinen Augen, der andere offen an seiner Seite wie eine Einladung, die auszusprechen er sich nicht traute.
"Ich bleibe," sagte sie.
Sie wusste nicht, wann das wahr geworden war.
Er ließ seinen Arm sinken und sah sie jetzt ganz an — das Hemd, die nackten Füße, das Fensterlicht hinter ihr — und etwas in seinem Gesicht wurde weich.
"Okay," sagte er.
Das war alles. Sie kam zurück zum Bett, legte sich hin, ohne das Hemd auszuziehen, und er wandte sich ihr zu, und der Morgen verlief weiter auf jene lange, besondere Art, die Morgen annehmen, wenn niemand auf die Uhr schaut.
Später würde sie versuchen zu sagen, wann sie sich entschieden hatte. Sie konnte es nie. Die Schuhe waren bereits auf dem Teppich. Vielleicht war die Entscheidung irgendwo in der Nacht geschehen, in der Dunkelheit, lange bevor sie sie jemals aufgehoben hatte.