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Der Text für heute NachtDas Warten1 Min.

Lack

A woman with wet red nail polish holds both hands up, fingers spread, while a bare-chested man in an unbuttoned white shirt kisses the side of her throat from behind at a lamplit vanity, a lit table lamp glowing beside them in an otherwise dark room.
Ten minutes, minimum. She meant it.

Sie hatte angefangen, bevor er nach Hause kam: Wattepads, die kleinen Glasfläschchen aufgereiht wie Soldaten, die Lampe nah herangezogen, damit sie sehen konnte, wie der Pinsel in einem sauberen Zug vom Nagelhäutchen bis zur Spitze fuhr. Es war die einzige Viertelstunde ihres Tages, die niemandem außer ihr gehörte.

Er fand sie so vor, eine Hand flach auf der Glasplatte der Frisierkommode, und blieb in der Tür stehen, statt hereinzukommen. Er hatte es auf die harte Tour gelernt, was eine Hand auf ihrer Schulter im falschen Moment ihn an verschmiertem Lack und einer Wiederholung kostete.

„Gleich fertig", sagte sie, ohne aufzusehen, der Pinsel bewegte sich in diesem kleinen, exakten Rhythmus. „Dritte Schicht."

„Lass dir Zeit." Er kam trotzdem herein und setzte sich hinter ihr auf die Bettkante, nah genug, dass die Tür eindeutig nur eine Formsache gewesen war.

Sie beendete den letzten Nagel und hob beide Hände von der Glasplatte, die Finger weit gespreizt, die Handgelenke locker — die Haltung, die man einnimmt, wenn etwas nass ist und einem selbst gehört, es zu ruinieren. „Zehn Minuten", sagte sie. „Mindestens. Ich meine es ernst."

„Hab ich gehört." Sein Mund fand stattdessen ihren Nacken, ohne Eile, und ihre Hände blieben genau dort, wo sie waren, schwebend über ihrem Schoß, als wäre sie mitten in der Kapitulation ertappt worden.

Sie hätte sie sinken lassen können. Hätte entscheiden können, dass der Lack weniger zählte als ihn näher heranzuziehen. Tat sie aber nicht. Das war der Trick daran — nicht das Warten selbst, sondern die Entscheidung, weiter zu warten, Sekunde für Sekunde, während seine Hand über ihr Schlüsselbein glitt und ihre erhoben blieben, offen, ganz ihm überlassen, unberührt zu bleiben.

„Du zitterst", sagte er an ihrem Ohr, und sie zitterte tatsächlich, zehn nasse, glänzende Beweise dafür, die das Lampenlicht einfingen.

„Wag es ja nicht, mich die hier ruinieren zu lassen." Aber sie bewegte ihre Hände nicht. Sie hielt sie genau dort, wo sie waren — erhoben, offen, ungeschützt — und ließ ihn sich Zeit nehmen zu entscheiden, was ihr Stillhalten wert war.