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Der Text für heute NachtAlte Flammen1 Min.

Der Überhang

Der Regen kam ohne Vorwarnung, wie manche Dinge es taten.

Sie war bereits unter der Markise, als er hineinfloh — er sah sie nicht zuerst, suchte nur Schutz, und dann sah er sie. Diese Reihenfolge war wichtig. Sie beobachtete, wie es in ihm ankam.

„Hallo", sagte er. „Hallo", sagte sie. Das Wort, das sie tausend Mal benutzt hatten, im Dunkeln, am Morgen, in Türrahmen wie diesem. Es bedeutete noch immer alles und nichts.

Die Straße leerte sich. Ein Taxi schoss vorbei und sie wollte ihre Hand heben und tat es nicht.

Sein Arm lag gegen ihren, von der Schulter bis zum Ellbogen. Er rückte nicht ab. Sie auch nicht. Das war alles, was es war — zwei Menschen im Regen, die Länge eines Unterarms — und sie spürte es wie eine flach aufgelegte Hand.

„Du siehst—", fing er an. „Nicht", sagte sie. Er lächelte, was schlimmer war. Er wusste immer, wenn sie versuchte, nicht angesehen zu werden.

Der Regen hatte diesen besonderen Geruch von Sommer und Beton, und darunter, ganz schwach, ihn. Sie hatte seine Hemden einmal gewaschen. Sie hatte lange aufgehört, diesem Gedächtnis Sinn zu geben.

„Wie lange hält es an?" fragte er. „Ich weiß nicht. Ich schaue mir das Wetter nie an." Er sagte: „Immer noch." Sie sagte: „Immer noch."

Ein Bus fuhr vorbei und versperrte die ganze Straße. Als er vorbei war, ließ der Regen nach und sie verstand, dass es in einer Minute keinen Grund mehr geben würde zu bleiben.

Sie bewegte sich nicht. Er auch nicht. Sein Arm war immer noch da, und sie dachte: Das ist das Ehrlichste, was ich seit Wochen getan habe.

Der Katalog

Wähl einen aus, der dich ins Bett begleitet.

Jeder Text steht für sich und ist in etwa einer Minute zu lesen. Jeder hat seine eigene URL — klicken zum Öffnen, kopieren zum Teilen. Der Katalog wächst; nichts wird gelöscht.

Die Publikation

LiteraturfürErwachsene,geschriebenalswürdeeszählen.

SparkBang veröffentlicht jeden Abend einen neuen Kurztext. Kein Video, kein Streaming. Nur Prosa — kurz, aufgeladen, die Art, die man im Buch unterstreichen würde, wenn man es in der Hand hielte.

  1. Ein Text, jede Nacht

    Jede Nacht um Mitternacht Pacific erscheint ein neuer Text. Der von heute steht oben auf der Seite. Der von gestern im Katalog. Der von vorgestern, dem Tag davor, bis zum Anfang — alles noch da, genau so, wie es geschrieben wurde.

    Jede Nacht
  2. Anzüglich, nicht explizit

    Wir schreiben die Sekunde davor und die Sekunde danach. Den Teil dazwischen vertrauen wir dir an. Die Texte sind bewusst kurz, bewusst anzüglich — und so lange redigiert, bis jeder Satz seinen Platz verdient hat.

    Mit Handwerk
  3. Zum Teilen, nicht zum Aneignen

    Jeder Text hat eine saubere URL. Schick ihn weiter. Zitier ihn mit Quellenangabe. Lies ihn laut vor, wem auch immer er gebührt. Veröffentliche ihn nicht unter deinem Namen — die Urheberschaft zählt.

    Offenes Regal

Die Lesehaltung

Wie man das liest.

Eine kurze Publikation ist ein kurzes Ritual. Das sind die sieben Anweisungen, die unsere Redakteure über dem Schreibtisch an die Wand geklebt haben. Leih sie dir.

  1. Such dir ein Fenster.

    Öffne es, wenn du kannst. Die Art Luft, die durch ein offenes Fenster kommt, ist die Art Luft, für die das hier gemacht ist.

  2. Mach das Deckenlicht aus.

    Eine Stehlampe ist gut. Eine Kerze auch. Dein Bildschirm auch, auf niedrigster Helligkeit.

  3. Leg das Telefon mit dem Display nach unten.

    Keine Benachrichtigungen, kein Scrollen, kein Lebenszeichen für die nächste Minute.

  4. Noch nichts trinken.

    Das Glas wartet auf danach. Erst lesen.

  5. Lies es laut, wenn du allein bist.

    Flüstere, wenn du es nicht bist. Bewege die Lippen in jedem Fall: Diese Texte wurden geschrieben, um gehört zu werden.

  6. Nicht überfliegen.

    Jeder Text ist bewusst kurz. Das Tempo ist das Entscheidende. Die Sätze dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.

  7. Bleib danach noch eine Minute.

    Nicht neu laden, nicht teilen, niemandem davon erzählen. Lass den letzten Satz landen, bevor du dich bewegst.

— Die Redaktion