Skip to main content

Der Text für heute NachtDer Morgen danach1 Min.

Bitte nicht stören

A woman wrapped in a white sheet held closed at her chest and a bare-chested man in navy boxer shorts standing face to face in a dark doorway, her hand flat on his stomach, his hand at the back of her neck, their foreheads almost touching, warm light from a window behind them.
The latch caught, and the corridor went on without them.

Um neun klopfte es — höflich, ungerührt, die Art von Klopfen, hinter der ein Generalschlüssel steht.

Er war schon eine Weile wach. Lange genug, um zuzusehen, wie die Decke von Grau in die Farbe eines angehaltenen Atems überging. Lange genug, um das genaue Gewicht ihres Arms auf seinen Rippen zu lernen und sich dagegen zu entscheiden, ihn wegzunehmen.

„Zimmerreinigung“, sagte der Flur, und dann, nach einer höflichen Pause, der kleine metallene Gedanke eines Schlüssels.

Er stand vorsichtig auf, löste sich unter ihrem Arm hervor und legte ihn auf die warme Stelle, die er gerade verlassen hatte. Der Teppich war dieser Hotelteppich, der weder kalt noch warm ist. Das Zimmer roch nach dem Regen der letzten Nacht und nach dem Kaffee, den keiner von beiden gekocht hatte. Ihr Kleid hatte die Lehne des Schreibtischstuhls gefunden. Sein Hemd hatte gar nichts gefunden.

Er ging zur Tür und öffnete sie zehn Zentimeter — genug für das Schild, nicht genug für den Flur. BITTE NICHT STÖREN, in einer Schrift, die jemand ausgesucht hatte, weil sie nach Diskretion aussah. Er hängte es an die Klinke draußen und schloss die Tür, bevor die Frau im Gang ihre Entschuldigung beenden konnte.

Das Schloss fiel zu. Irgendwo den Gang hinunter rollte ein Wagen weiter zu Zimmern, in denen die Leute pünktlich aufgestanden waren.

Er blieb eine Sekunde länger stehen, als die Sache verlangte, eine Hand flach auf der Tür, so wie man es tut, wenn man gerade etwas entschieden hat und die Form davon spüren will.

Als er sich umdrehte, hatte sie die Augen offen.

„Du warst wach“, sagte er.

„Ich wollte sehen, was du tust“, sagte sie.

„Und?“

„Du hast das Schild rausgehängt.“ Sie hob das Laken auf der leeren Seite, so wie man jemandem die Tür aufhält. „Also vergeude es nicht.“