Sie schlief noch, als er ihren Ohrring auf dem Nachttisch fand — ein kleiner goldener Reifen, nicht größer als die Spitze seines Daumens.
Er drehte ihn einmal um und legte ihn zurück. Als würde diese Geste keinen Anspruch auf irgendetwas erheben.
Aus der Küche lauschte er auf die Laute ihres Erwachens: das sanfte Nachgeben der Matratze, nackte Füße auf Holz, die Pause vor der Badezimmertür. In einer Nacht hatte er ihre Rhythmen kennengelernt, und das fühlte sich an wie zu viel Wissen und gleichzeitig nicht annähernd genug.
Sie kam heraus in seinem T-Shirt. Sie hatte nicht gefragt. Er hatte nicht angeboten. Es war in der Dunkelheit einfach ihres geworden, und jetzt war Morgen und sie trug es.
"Es gibt Brot," sagte er. "Falls du willst."
"Ich sollte wahrscheinlich —" Sie brach ab. Ließ den Satz einfach hängen.
Er beendete ihn nicht für sie.
Sie setzte sich stattdessen an die Theke, und er schnitt das Brot, weil es etwas für seine Hände war. Draußen war die Stadt bereits laut mit sich selbst, gleichgültig, und das half.
Sie aß stehend. Er stand auch, auf der anderen Seite, und sie sprachen über nichts — das Gebäude, die Straße, etwas, das sie aus der Nacht davor nur halb erinnerte und das sie leise und privat lachen ließ, einen Laut, den er speichern wollte.
Als sie zurückging, um den Ohrring zu holen, sah er zu, wie sie ihn anlegte. Erst die eine Seite, dann die andere. Ihr Kinn ein wenig erhoben, die kleine bewusste Bewegung des Verschlusses.
Sie nahm ihre Jacke.
"Danke für das Frühstück," sagte sie. Es war Toast. Er korrigierte sie nicht.
Die Tür schloss sich leise. Er blieb einen Moment wo er war, dann blickte er auf den Nachttisch.
Der andere Ohrring war noch da. Er hatte es nicht gewusst. Er hätte nachschauen sollen.