Sie hatte sich eine Stunde zu früh angezogen, mit Absicht. Das war der ganze Plan für heute Abend, wenn man es überhaupt einen Plan nennen konnte.
Die Platte lag schon bereit, die Nadel einen halben Zentimeter über der Rille, wie etwas, das den Atem anhielt. Das Fenster stand einen Spalt offen zur Sommerstraße, gerade genug, um den Rasensprenger der Nachbarn hereinzulassen und, einmal, ein Autoradio unter einem Bass, der nicht ihr eigener war.
Sie hatte noch nichts eingeschenkt. Auch das war Absicht. Ein beschlagenes Glas auf der Anrichte hätte bedeutet, dass sie das Warten verwaltete, statt es zu haben.
Das war die Stunde, vor der einen niemand gewarnt hatte — noch nicht ihn, sondern nur die Version von ihr selbst, die es allein hier gab: ungehetzt, unbeobachtet, ganz sicher in etwas, das sie nicht laut hätte benennen können.
Sie erwischte ihr eigenes Spiegelbild im schwarzen Glas des Fensters und erkannte die Frau, die dort so still und mit Absicht stand, für einen Moment nicht wieder.
Neun Uhr vierzig, dachte sie. Er würde früh sein, so wie er immer früh war, wenn er so tat, als würde er sich nicht darauf freuen.
Die Klingel ging um neun Uhr achtunddreißig, und es fuhr durch sie hindurch wie ein entzündetes Streichholz.
Sie ließ sie verklingen. Dann stand sie noch einen Moment da, die Handfläche flach auf der kalten Anrichte, und hielt fest, was von einem Abend übrig war, der noch immer nur ihr gehörte.
Es klingelte erneut, diesmal geduldig, so wie manche Menschen geduldig sind bei Dingen, von denen sie bereits wissen, dass sie sie bekommen werden.
Noch nicht, dachte sie, und meinte es als Zärtlichkeit, nicht als Verzögerung.
Als sie schließlich durch den Raum ging, fand ihre Hand den Knopf, bevor ihr Verstand vollständig zugestimmt hatte, und die Stunde, die sie mit Absicht gebaut hatte — die gute — endete auf einem einzigen Ton, eine halbe Sekunde länger gehalten, als nötig gewesen wäre.
