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Der Text für heute NachtFremde1 Min.

Drei Blöcke

Das Café war fast leer, als er fragte, ob er an ihrem Tisch warten könne – nur bis der Regen aufhöre, sagte er und deutete auf die Tür, wo die Straße zu einem Fluss geworden war.

Sie sagte ja auf die Weise, wie man ja sagt zu etwas, das man längst beschlossen hat.

Er bestellte Espresso. Sie war beim zweiten Glas Weißwein. Draußen kehrten sich Schirme um im Wind und Menschen rannten mit Zeitungen über den Köpfen, und nichts davon war würdevoll.

„Du warst irgendwo unterwegs", sagte er. Keine Frage. „Ich war irgendwo", sagte sie. „Jetzt bin ich hier."

Er hatte die Art von Händen, die sie zuerst an Menschen bemerkte – breit über den Knöcheln, ruhig auf dem Tisch zwischen ihnen. Sie dachte darüber nach, wie sie sich an ihrem Kreuz anfühlen würden.

Er fragte nach ihrem Namen. Sie sagte es ihm. Er nannte seinen, und sie wiederholte ihn langsam, jede Silbe einen Takt länger als nötig.

Das Gespräch bewegte sich wie gutes Gespräch sich bewegt – seitwärts, ungehetzt, um etwas herum, das keiner von ihnen benannte. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich vorbeugte. Er ertappte sie dabei, wie sie sich ertappte.

Als die Rechnung kam, griff sie nach ihrer Geldbörse und er sagte „Lass mich", und sie ließ ihn, und das Lassen war selbst eine kleine Vereinbarung.

Draußen war der Regen nur noch Nebel. Sie standen unter der Markise und sie zog ihre Jacke an und er beobachtete sie dabei mit einer Aufmerksamkeit, die sich wie eine Frage anfühlte.

„Ich wohne drei Blöcke von hier", sagte sie. Er antwortete nicht gleich. Der Nebel legte sich auf seine Schultern. „In welche Richtung", sagte er.

Der Katalog

Wähl einen aus, der dich ins Bett begleitet.

Jeder Text steht für sich und ist in etwa einer Minute zu lesen. Jeder hat seine eigene URL — klicken zum Öffnen, kopieren zum Teilen. Der Katalog wächst; nichts wird gelöscht.

Die Publikation

LiteraturfürErwachsene,geschriebenalswürdeeszählen.

SparkBang veröffentlicht jeden Abend einen neuen Kurztext. Kein Video, kein Streaming. Nur Prosa — kurz, aufgeladen, die Art, die man im Buch unterstreichen würde, wenn man es in der Hand hielte.

  1. Ein Text, jede Nacht

    Jede Nacht um Mitternacht Pacific erscheint ein neuer Text. Der von heute steht oben auf der Seite. Der von gestern im Katalog. Der von vorgestern, dem Tag davor, bis zum Anfang — alles noch da, genau so, wie es geschrieben wurde.

    Jede Nacht
  2. Anzüglich, nicht explizit

    Wir schreiben die Sekunde davor und die Sekunde danach. Den Teil dazwischen vertrauen wir dir an. Die Texte sind bewusst kurz, bewusst anzüglich — und so lange redigiert, bis jeder Satz seinen Platz verdient hat.

    Mit Handwerk
  3. Zum Teilen, nicht zum Aneignen

    Jeder Text hat eine saubere URL. Schick ihn weiter. Zitier ihn mit Quellenangabe. Lies ihn laut vor, wem auch immer er gebührt. Veröffentliche ihn nicht unter deinem Namen — die Urheberschaft zählt.

    Offenes Regal

Die Lesehaltung

Wie man das liest.

Eine kurze Publikation ist ein kurzes Ritual. Das sind die sieben Anweisungen, die unsere Redakteure über dem Schreibtisch an die Wand geklebt haben. Leih sie dir.

  1. Such dir ein Fenster.

    Öffne es, wenn du kannst. Die Art Luft, die durch ein offenes Fenster kommt, ist die Art Luft, für die das hier gemacht ist.

  2. Mach das Deckenlicht aus.

    Eine Stehlampe ist gut. Eine Kerze auch. Dein Bildschirm auch, auf niedrigster Helligkeit.

  3. Leg das Telefon mit dem Display nach unten.

    Keine Benachrichtigungen, kein Scrollen, kein Lebenszeichen für die nächste Minute.

  4. Noch nichts trinken.

    Das Glas wartet auf danach. Erst lesen.

  5. Lies es laut, wenn du allein bist.

    Flüstere, wenn du es nicht bist. Bewege die Lippen in jedem Fall: Diese Texte wurden geschrieben, um gehört zu werden.

  6. Nicht überfliegen.

    Jeder Text ist bewusst kurz. Das Tempo ist das Entscheidende. Die Sätze dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.

  7. Bleib danach noch eine Minute.

    Nicht neu laden, nicht teilen, niemandem davon erzählen. Lass den letzten Satz landen, bevor du dich bewegst.

— Die Redaktion