Sie hatte angeboten, ihm die Haare zu schneiden, so wie sie inzwischen die meisten Dinge anbot — beiläufig, als koste es sie nichts, als hätten ihr die elf Jahre nicht genau beigebracht, was es kostete.
Er saß auf dem Küchenhocker, ein Handtuch um den Hals geknotet, das Hemd schon aus, weil sie gesagt hatte, zieh es aus, sonst hast du nachher Haare im Kragen, und er hatte es getan, ohne zu widersprechen, was ihnen beiden etwas hätte sagen sollen.
"Halt still", sagte sie und kämmte eine Strähne glatt gegen seinen Nacken, die Zinken des Kamms kalt, ihre Finger um einen Grad wärmer als das Metall — ein Unterschied, der nichts hätte bedeuten sollen und es trotzdem tat.
Die Schere öffnete sich mit einem kleinen metallischen Klicken. Sie hielt sie so, wie ihre Mutter es ihr beigebracht hatte, die Klinge von der Haut weg geneigt, und trotzdem spürte sie die besondere Aufmerksamkeit, die es bedeutete, über jemandem zu stehen mit etwas Scharfem in der Hand und seinem bloßen Hals unter einem Handtuch.
"Du atmest anders", sagte er, zu den Schränken, nicht zu ihr.
"Du bildest dir das ein." Das tat sie nicht. Sie schnitt eine langsame Linie über seinem Kragen und sah zu, wie das dunkle Haar in Kommas auf das weiße Frotteetuch fiel.
Als sie mit dem Schneiden fertig war, legte sie die Schere nicht weg. Sie stellte sie griffbereit auf die Arbeitsplatte und ließ ihre Hand dort, wo sie war, jetzt flach, nicht mehr kämmend, nur ruhend am Ansatz seines Schädels, wo das Haar am kürzesten war.
Keiner von beiden benannte es. Es zu benennen hätte daraus eine Entscheidung gemacht, und Entscheidungen waren das eine, worauf sie sich seit elf Jahren stillschweigend geeinigt hatten, es nicht zu tun.
"Bin ich fertig?", fragte er, und es ging nicht um die Haare.
"Gleich", sagte sie und bewegte ihre Hand nicht, und er drehte sich nicht um, um sie darauf festzunageln — hielt still, so wie sie es ihm gesagt hatte, die eine Anweisung, der er sich endlich entschlossen hatte, bis zum Ende zu folgen.
