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Der Text für heute NachtAlte Flammen1 Min.

Dienstage

Sie stand auf der Terrasse, als er sie fand, was bedeutete, dass sie sich versteckt hatte, was bedeutete, dass sie gewusst hatte, dass er hier sein würde.

Er sagte nicht ihren Namen. Er stellte ein Glas neben ihres auf die Brüstung – Gin, ohne zu fragen, weil er es noch wusste – und stand nah genug, dass seine Wärme die Dezemberluft durchschnitt.

Vier Jahre.

„Wer auch immer uns beide eingeladen hat," sagte er, „ist entweder sehr gütig oder sehr grausam."

„Eines davon," sagte sie.

Sie sah ihn nicht an. Sie schaute auf die Straße unten, auf ein Paar, das leise vor einem Taxi stritt, auf den gewöhnlichen Dezemberabend, der nichts mit alldem zu tun hatte. Seine Schulter war vier Zentimeter von ihrer entfernt. Vielleicht weniger. Sie konnte die besondere Dichte von ihm spüren, die spezifische Schwerkraft, die sie bei niemandem sonst je zuordnen konnte.

„Du siehst aus—" fing er an.

„Nicht," sagte sie. Nicht grausam. Nur ehrlich.

Er nickte. Nahm sein Glas. Bewegte sich nicht.

Das Paar unten hatte aufgehört zu streiten. Die Frau lachte jetzt, lehnte sich an die Brust des Mannes, und etwas in dieser Leichtigkeit schnürte ihr die Kehle zu.

„An Dienstagen denke ich an dich," sagte er. „Ich weiß nicht, warum gerade Dienstage."

Das tat sie. Dienstage waren ihre – die langsamen Morgen, die späten Nachmittage, das besondere Nichts, das sie zu etwas Besonderem gemacht hatten. Sie hatte das niemandem je erklärt. Sie hatte es nie gebraucht.

Sie wandte sich zu ihm um. Das war der Fehler und sie machte ihn trotzdem.

Er streckte die Hand aus und richtete ihren Kragen gegen die Kälte – eine kleine, überlegte Bewegung, seine Finger streiften gerade ihren Nacken – und sie verstand, dass dies die Frage war, und dass sie sie bereits beantwortet hatte.

Der Katalog

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Jeder Text steht für sich und ist in etwa einer Minute zu lesen. Jeder hat seine eigene URL — klicken zum Öffnen, kopieren zum Teilen. Der Katalog wächst; nichts wird gelöscht.

Die Publikation

LiteraturfürErwachsene,geschriebenalswürdeeszählen.

SparkBang veröffentlicht jeden Abend einen neuen Kurztext. Kein Video, kein Streaming. Nur Prosa — kurz, aufgeladen, die Art, die man im Buch unterstreichen würde, wenn man es in der Hand hielte.

  1. Ein Text, jede Nacht

    Jede Nacht um Mitternacht Pacific erscheint ein neuer Text. Der von heute steht oben auf der Seite. Der von gestern im Katalog. Der von vorgestern, dem Tag davor, bis zum Anfang — alles noch da, genau so, wie es geschrieben wurde.

    Jede Nacht
  2. Anzüglich, nicht explizit

    Wir schreiben die Sekunde davor und die Sekunde danach. Den Teil dazwischen vertrauen wir dir an. Die Texte sind bewusst kurz, bewusst anzüglich — und so lange redigiert, bis jeder Satz seinen Platz verdient hat.

    Mit Handwerk
  3. Zum Teilen, nicht zum Aneignen

    Jeder Text hat eine saubere URL. Schick ihn weiter. Zitier ihn mit Quellenangabe. Lies ihn laut vor, wem auch immer er gebührt. Veröffentliche ihn nicht unter deinem Namen — die Urheberschaft zählt.

    Offenes Regal

Die Lesehaltung

Wie man das liest.

Eine kurze Publikation ist ein kurzes Ritual. Das sind die sieben Anweisungen, die unsere Redakteure über dem Schreibtisch an die Wand geklebt haben. Leih sie dir.

  1. Such dir ein Fenster.

    Öffne es, wenn du kannst. Die Art Luft, die durch ein offenes Fenster kommt, ist die Art Luft, für die das hier gemacht ist.

  2. Mach das Deckenlicht aus.

    Eine Stehlampe ist gut. Eine Kerze auch. Dein Bildschirm auch, auf niedrigster Helligkeit.

  3. Leg das Telefon mit dem Display nach unten.

    Keine Benachrichtigungen, kein Scrollen, kein Lebenszeichen für die nächste Minute.

  4. Noch nichts trinken.

    Das Glas wartet auf danach. Erst lesen.

  5. Lies es laut, wenn du allein bist.

    Flüstere, wenn du es nicht bist. Bewege die Lippen in jedem Fall: Diese Texte wurden geschrieben, um gehört zu werden.

  6. Nicht überfliegen.

    Jeder Text ist bewusst kurz. Das Tempo ist das Entscheidende. Die Sätze dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.

  7. Bleib danach noch eine Minute.

    Nicht neu laden, nicht teilen, niemandem davon erzählen. Lass den letzten Satz landen, bevor du dich bewegst.

— Die Redaktion